Nachruf Klaus Rose (1928 – 2021)

Nachruf

Universitätsprofessor Dr.rer.pol.

Klaus Rose

Der Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften trauert um Universitätsprofessor Dr.rer.pol. Klaus Rose, der am 13.12.2021 im Alter von 93 Jahren verstorben ist.

Klaus Rose wird am 3.6.1928 in Bochum geboren. Noch während der Schulzeit zieht man ihn, fünfzehnjährig, als Luftwaffenhelfer zum Kriegsdient heran. Nach Kriegsende und Abitur studiert er von 1947-1950 Volkswirtschaftslehre in Köln. Er wird Assistent bei Theodor Wessels, von ihm 1952 zum Akzelerationsprinzip in der Konjunkturtheorie promoviert und habilitiert sich in Köln 1957 mit einer Arbeit zur Wachstumstheorie.

Mit 33 Jahren wird Rose 1961 auf eine neu geschaffene Professur für Volkswirtschaftslehre an der Universität Mainz berufen. Er vertritt die moderne, formale Wirtschaftstheorie und verschafft sich durch seine Publikationen rasch hohes Ansehen bei seinen Fachkollegen.  Zahlreiche Rufe an andere Universitäten sind die Folge, so nach Bochum, die Freie Universität Berlin, nach Köln und nach Frankfurt. Er lehnt jedoch alle Rufe ab und bleibt bis zu seiner Emeritierung, 1994, in Mainz.

Aus Roses Schrifttum ragt seine 1964 bei Vahlen, München, erschienene „Theorie der Außenwirtschaft“ hervor. Das Buch stellte für die deutschsprachige Lehrbuchliteratur, sowohl für den monetären als auch für den realwirtschaftlichen Bereich, sowohl inhaltlich als auch methodisch, den Anschluss an die weltweit führenden Lehrbücher auf diesem Gebiet her. Das Buch fand große, positive Resonanz und hat 14 Auflagen erreicht. Küng (St.Gallen) nennt in seiner Besprechung des Buches im Weltwirtschaftlichen Archiv 1966 den Autor einen „Kenner und Könner“. Häuser (Frankfurt) spricht im Finanzarchiv 1966 von „der unbestechlichen Diktion, mit der der Autor seinen Stoff vorträgt“ und einer „indispensablen Lektüre für Seminaristen, Doktoranden und Dozenten des internationalen Handels.“ Man kann hinzufügen, dass es nicht weniger eine „indispensable Lektüre“ für die einfachen Diplom-Studenten in Mainz war, wollten sie die Prüfungen bei Rose bestehen.

Zu nennen ist ferner sein Lehrbuch „Grundlagen der Wachstumstheorie“, das zwischen 1970 und 1990 in 6 Auflagen in der UTB-Reihe bei Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen, erschienen ist. Die frühe Beschäftigung mit der Wachstumstheorie, die in der Habilitationsschrift von 1957 ihren Niederschlag gefunden hatte, hat es Rose erlaubt, die stürmische Entwicklung dieser Theorie in den 50-er, 60-er und 70-er Jahren von Anfang an kundig und kritisch zu kommentieren sowie für studentische Leser zu strukturieren und aufzubereiten.

In zahlreichen Aufsätzen behandelt er Spezialfragen des Faches, etwa zum Optimalzoll, zur Einkommensverteilung, zur Wechselkursbestimmung oder der Zahlungsbilanztheorie. Die ihm zu seinem 60. Geburtstag gewidmete, von seinen Schülern Hemmer (Gießen) und Schröder (Mannheim) herausgegebene Festschrift „Außenwirtschaft“, Göttingen 1988, enthält eine Aufstellung dieser Beiträge. In der Zeitschrift für Nationalökonomie gibt es 1971 eine Kontroverse zwischen Rose und Issing, dem späteren Chefvolkswirt der EZB, zur „Theorie des direkten internationalen Preiszusammenhangs“. Mit dem jüngsten starken Preisanstieg ist die Frage wirtschaftspolitisch wieder stark ins wissenschaftliche und mediale Interesse gerückt und verdient eine Rückbesinnung auf die damals vorgetragenen Argumente.

Neben seinen Lehrbüchern und Aufsätzen sind auch Herausgeberschaften zu nennen, durch die Rose wissenschaftlich hervorgetreten ist. Dazu gehören

-das von ihm mit herausgegebene, 9-bändige, von 1977-1983 erschienene „Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaften“, HdWW. Vier der elf Herausgeber des HdWW waren Mitglieder dieses Fachbereichs, neben Rose der Finanzwissenschaftler Schmidt und die Juristen Kraft und Rupp.

-ferner das von ihm mit herausgegebene, 2-bändige „Kompendium der Volkswirtschaftslehre“, erschienen bei Vandenhoeck&Ruprecht von 1967 bis 1975 in 5 Auflagen. Das Werk gibt in 16 umfangreichen Aufsätzen einen Überblick über den Stand des Faches zu Beginn des letzten Drittels des letzten Jahrhunderts. Es war den 4 Herausgebern, die alle selbst auch als Autoren mitwirkten, gelungen, weitere hervorragende Fachgebietsvertreter für die Mitarbeit zu gewinnen, darunter Stobbe (Mannheim), Ott (Tübingen), Borchardt (München) und Gäfgen (Konstanz). Rose selbst hatte den später weit zitierten Beitrag über die „Einkommens- und Beschäftigungstheorie“ beigesteuert.

-schließlich das 1950 von Reinhard Schaeder gegründete „Jahrbuch für Sozialwissenschaft“, für das Rose für mehr als ein viertel Jahrhundert lang, 1969-1995 als einer von drei Herausgebern fungierte. Heute wird das Jahrbuch unter dem Titel „Review of Economics“ von Berlemann, Haucap und Thum herausgegeben.

Roses herausragende wissenschaftliche Stellung kommt ferner darin zum Ausdruck, dass er von den Fachkollegen zum Fachgutachter für Volkswirtschaftstheorie und zum Vorsitzenden des Fachausschusses Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Deutschen Forschungsgemeinschaft, DFG, gewählt wurde, Ämter, die er jeweils 4 Jahre ausübte.

Rose war darüber hinaus 1984 Gründungsmitglied der privaten Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung, WHU, Koblenz und hat dort bis zum Jahre 2000 als Honorarprofessor gelehrt. Unter dem Rektorat seines Schülers Michael Frenkel, Professor für Volkswirtschaftslehre an der WHU seit 1993, hat die Hochschule in den internationalen Rankings eine Spitzenposition unter den deutschen, privaten Business Schools errungen.

Schließlich leitete Rose mehr als 30 Jahre lang, bis 1990, die volkswirtschaftliche Ausbildung des deutschen diplomatischen Nachwuchses, der Attaché(e)s, im Auswärtigen Amt in Bonn.

Fachfremd, aber fachkundig, wirkte Rose auch auf einem weiteren wissenschaftlichen Feld, der Entomologie. Er hat in den Fachzeitschriften dieser Disziplin publiziert und zusammen mit dem französischen Entomologen Jean-Claude Weiss den Band 5 von „The Parnassiinae of the World“ verfasst.   In seiner Abschiedsvorlesung anlässlich seiner Emeritierung 1994 hat Rose Hobby und Beruf verknüpft und zum Thema „Lepideptorologisches und Ökonomisches: Preisbildung und Außenhandel bei Schmetterlingen“ gesprochen – zur großen Erheiterung und Belehrung seiner anwesenden Studenten und Kollegen. Der Vortrag ist in Heft 1, 1995 des „Jahrbuch für Sozialwissenschaft“ abgedruckt.

Die Darstellung von Roses wissenschaftlicher Vita wäre jedoch grob unvollständig, würde man die große Wirkung, die sein mündlicher Vortrag in Vorlesungen und Seminaren entfaltet hat, außer Betracht lassen. Der analytischen Kraft und der suggestiven Wirkung seiner Rede konnte sich niemand entziehen. Die Hörsäle waren meist überfüllt, und er hat sich nicht gescheut, zur Not auch in oktoberfestartigen Zelten zu lehren. Nicht zuletzt aufgrund dieser Lehrerlebnisse haben ihn die Mainzer Studenten regelmäßig mit Fackelzügen dazu bewogen, an ihn ergangene Rufe auswärtiger Hochschulen abzulehnen und in Mainz zu bleiben.

In großem Respekt und Dankbarkeit wird der Fachbereich ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Karlhans Sauernheimer

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